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Sie hält. Bleibt nur noch die Frage, wie wir die Kette wieder auf die Winde heben können, denn da ist ordentlich Zug drauf. Noch ehe wir das Beiboot klar gemacht haben, um vom Wasser aus ein Seil um die Kette zu legen, ist der Langneseverkäufer zur Stelle und erledigt das kurz. Ja, wir kaufen auch gleich ein Eis.
Noch schnell mit dem Beiboot eine Landleine gelegt (wie war das noch mit der Schlange und dem Baum und dem See, Marita? Heut mal unter verschärften Bedingungen, ordentlich Zug auf dem Festmacher.), also wir haben dann irgendwann noch eine Landleine gelegt und dann aber rein ins Wasser! Hatte ich schon erwähnt, dass wir bis dahin durchgehend Sonnenschein hatten?
Wolken ziehen erst auf, als wir weiterfahren wollen. Die Landleine ist schnell gelöst, wirklich, das Beiboot längsseits geholt und es geht an den Anker. Die Kette läuft zunächst, wie es sich für eine Kette gehört, dann aber zeigt uns unsere Kette, dass sie eine besondere Kette ist, die nicht nur mal gern von der Winde hüpft, sondern auch beim Ausrauschen zur Klumpenbildung neigt. Kurz bevor der Anker frei ist, kommt die Kette in Knotenform aus dem Wasser. Offenbar kennt sie die Geschichte mit der Schlange. Also schlingern wir mal ein wenig zwischen den anderen ankernden Booten in der Bucht herum.
Da die Bucht nicht ganz unbekannt und unbesucht ist, findet sich auch jetzt schnell ein hilfreiches Beiboot, diesmal mit Schweizer Seglern an Bord, die durch gezielte Fußtritte die Kette zur Raison bringen. Sie lässt sich fallen, der Knoten war kein gordischer. Hübsch! denken wir noch, als die vorbeschriebenen schwarzen Wolken sich über die Stimmung des Skippers schieben. Noch ehe er richtig registriert, dass sich die Gummiente mit rasanter Fahrt in Richtung Heck auf den Weg macht, hat die Leine des Beiboots den Steuerbordmotor schon abgewürgt. Man muss kein Orakel sein, um sich vorzustellen, was das Seil dazu mit der Schraube gemacht hat.
Da die Schraube es im letzten Moment noch hinbekommen hat, das Seil zu durchtrennen, dümpelt die Ente führerlos in der Bucht. Entschlossen stürzt sich Kirsten in die Fluten und bringt das gute Stück zurück zu Muttern.
Noch ehe wir das weitere Vorgehen erörtert haben, stürzt sich schon von einer benachbart ankernden Dschunke ein braungebrannter Jüngling mit einem Messer zwischen den Zähnen in die Fluten und durchtrennt beherzt das Seil am langen, an Decke führenden Ende (vermutlich, damit das Lösen des Seils aus der Schraube nicht zu einfach wird, denn er sieht, was in uns steckt und weiß, dass wir nur eine neue Herausforderungen suchen).
Nach zwei Tauchgängen gibt er sich wissend: „….Fethiye… ….Schwimmdock…. … ich kenne da jemanden, ..“. Die schwarzen Wolken über Skippers Haupt können auch Blitze schleudern. Wir gewähren dem Hilfsbereiten noch freies Geleit von Bord und bedanken uns freundlich.
Wir möchten jetzt gern eine ruhige, einsame Bucht, und die steuern wir direkt mit dem uns verbliebenen Motor Richtung Süden an.
Hier klappt das Ankern jetzt schon viel besser, aber auch unspektakulärer, ohne Funken und ohne Knoten.
Jörg und Holly tauchen auch mal zum Seil, analysieren ruhig und bedacht in welche Richtung denn wohl sinnvoller Weise zu ziehen und zu drehen sei und schwups, noch ein Bisschen rohe Gewalt am wieder verlängerten Seil, ist die Schraube wieder frei und das ohne Schaden und vor allem ohne Schwimmdock.
Da die Bucht uns nicht nachttauglich erscheint, steuern wir zurück in Richtung Kapi Göbün.
Michele telefoniert noch ein Stündchen auf dem Vorschiff, dann lassen wir uns beköstigen.
Nach dem Essen fällt der Skipper umgehend in tiefe Vibration, seine persönliche Form des Schlafes. Auch uns ist nach diesem PPP-Tag nicht nach ausschweifendem Nachtleben, wir folgen bald darauf.
29.09.
Ruhiges Frühstück am Steg. Michael wie immer im Zentrum des Frühstücksgeschehens. Dann Auslaufen in Richtung Fethiye, wir müssen mal dringend wieder einkaufen. Morgen soll es Captain´s Dinner geben, der wird schon wieder älter.
Der nächste genehme Supermarkt liegt etwas weiter weg vom Hafen. Janine hat die Bunkerliste voll im Griff. In Ermangelung von Einkaufswagen schleppen wir die kleinen Leckereien und meat loaf in 12 ausgewachsenen Plastiktüten durch die Stadt.
Zur Belohnung gibt es Döner, den der Hafengrill in weniger als einer Stunde hinbekommt.
Der in zwischen leicht bedeckt Himmel vergießt drei Tränen, dann geht´s zur Insel Tersane.
Zwischendurch simuliert das Handy von Bernd die zwanzig spannendsten Polizeisirenen. Frau Nil ruft immer wieder gern mal an.
Ein bizarrer Steg, ein paar Ruinen, eine Strandgaststätte mit Bauern, zwei Kühen und ca. 50 Ziegen.
Nach dem Anlegeschluck geben wir der Bucht ein Ständchen und, vermutlich weil Holly die Oberhand behält, gibt es Anerkennung vom Steg und den benachbarten Booten.
Beim Gang übers Land zapft sich Andrea spontan eine Tasse frischester Milch und bestellt Nachschub für den nächsten Morgen.
Nach dem Abendessen geht´s wieder früh in die Kojen, bzw. auf das Netz am Bug und auf die Bänke im Cockpit, nur Michele telefoniert noch mal ein Stündchen auf dem Vorschiff.
Wir haben zwar inzwischen auch die letzten Pinkelsteinchen unter dem Dusch-Bodengitter gefunden (wie Ostern) aber die zweite Duftkomponente hält sich hartnäckig und treibt die Besatzung zusätzlich in die frische Nachtluft.
30.09.
Gegen Null Uhr hört der Skipper Stimmen. Nach anfänglichem Grummeln gibt er sich dem Alterungsprozess geschlagen. Einem Geburtstag in Kombination mit einem Hochzeitstag kann man nicht entgehen.
„Happy Birthday to you! Happy Birthday!“ raunt es aus dem Decklicht und vor der Kajütentür. Im Salon warten ein Geburtstagskuchen mit Kerze und ein Tisch voller Geschenke. Wir könnten jetzt auch ein (ferngesteuertes Schnell-)Boot-über-Bord-Manöver fahren, Bernd will aber nicht. Noch ein Gläschen Rüdesheimer-Fehlgriff-Wein und wieder „ab in die Kojen!“
Am nächsten Morgen geht es unter Segeln aus der Bucht und bei „flatulentem“ Wind segeln wir in eine ruhige, aber nicht ganz unbesiedelte Bucht. Andrea wirbelt fleißig in der Pantry. Kojak meldet sich etwa 52-mal, zwischendurch ist auch mal Frau Nil am Apparat.
Wir lassen uns bei sportlichen 2-3 Knoten von der „Infinity“ durchs Wasser ziehen. Nach dem Duschen gleiten meine Hände an meinem Astralkörper herab und stoßen auf einen harten Knubbel in meiner Badehose. Ich hole ihn heraus und muss feststellen, dass das Handy nur noch die Funktion einer Wasserwaage erfüllt. Mein erster Gedanke: nicht schlimm. Du hast doch Urlaub, entspanne! Außerdem wartet vielleicht schon das neue Handy zu Hause auf dich, nachdem du seinen Vorgänger durchgebrochen hast weicht bald der Einsicht dass ich damit sämtlicher Bürgerrechte beraubt bin. Der Kontakt zu Büro und Außenwelt ist abgebrochen. Ich erfahre gar nicht mehr was alles nicht läuft. Wieder weiß Andrea Hilfe und bietet selbstlos ihr Handy an. Jetzt bin ich wieder Mensch, jetzt kann ich wieder sein.
Ankern und Landleine legen klappen, als ob wir nie etwas anderes getan hätten, bzw. als ob wir es nie anders getan hätten.
Jörg sucht immer noch nach einer Lösung in den Katakomben. Holly hat Ohr.
Schon am Nachmittag wird der Grill an Land angeworfen. Die Bordbesatzung geht ins kristallklare Wasser und schnorchelt die Fischwelt ab, während einige Wenige dafür sorgen, dass sie nicht von den Schrauben der herbeischwärmenden, konkurrierenden Anbieter von Bootsausflügen in das nahe Naturschutzgebiet oder Langneseeis zerkleinert werden. Und schon nach wenigen Stunden kommen Skipper und 1. Offizier mit einem kleinen Hügel von wohlriechendem Grillfleisch wieder an Bord. Alle Nicht-Vegetarier begrüßen sie begeistert, resignieren aber doch bald angesichts der Menge. Wir schlemmen bis tief in die Nacht, singen schlechter denn je oder telefonieren auf dem Vorschiff.
Den Schreiber beschäftigt kurz die Frage, ob der von uns ausgehende Lärm nicht für die Anwohner „typisch russisch“ erscheinen muss.
01.10.
Weiterhin Sonne, flatulente Winde, die Kojak-Nil-Connection, Vorschiffgespräche.
Peter hat die (Schweine-)Grippe von Kirsten übernommen, Holly hat mehr Ohr. Wir suchen schon mal die gelbe Flagge raus.
Wir wissen nicht, ob Jörg weiß, warum die üblen Dämpfe aus dem Steuerbordrumpf verschwunden sind, aber wer nicht weiß, dass sie da waren wird sie wohl kaum bemerken.
Wir ankern in der Gerbetse-Bucht, umringt von Fischen, alten Gemäuern und einer kleinen verfallenen Moschee. Den Landausflüglern geht vorübergehend die Gummiente verloren, aber das kann so alte Seebären nicht erschüttern.
Abends gibt´s Restfleisch-Variationen. Wir geben unser Bestes, die Vorräte zu reduzieren, die Spitze des Fleischberges können wir aber noch nicht erreichen.
02.10.
Rückfahrt nach Marmaris bei bekannt flatulenter Sonne. Ein Blick auf die Krankenfraktion lässt uns die Suche nach der gelben Flagge noch mal intensivieren. Es hätte ein ruhiger Tag werden können.
Mit der Annäherung an Marmaris frischt der Wind noch mal etwas auf. Wir segeln in die Bucht. Leichte Wehmut kommt auf; der letzte Tag auf dem Wasser. Wir wollen mehr! In ungezwungener Runde kommt die magische Zahl 2011 auf. Wir werden uns das merken und das hebt die Stimmung.
Kurz vor der Hafeneinfahrt dann das unheilvolle Kommando: „Schiff klar machen!“ Klar, mach ich. Ich fang mal mit der Wäsche auf der Reling an. Handtücher abgenommen, noch mal ausgeschlagen, schön glatt gestrichen und dann ordentlich aufgefaltet, so wie sich das gehört. Dann noch die Badekleidung. Die meisten Sachen sind mit Klammern gesichert, einzelne mit Webelein- oder Hausfrauensteg, so wie der rote Bikini. Ich löse den Knoten, schlage das Oberteil aus und will es zusammenlegen, da fällt etwas Rotes in meinem Blickwinkel von der Reling ins Mittelmeer.
„BBüB!!!“ oder auch „BadeBuxe über Bord!“
Die gesamte Mannschaft verhält sich vorbildlich. Das Objekt wird gesichtet und angezeigt, der Ruderbernd geht auf Umrundungskurs, der Bootshaken wird klar gemacht, und dann...... ist die Buxe weg.
Neptun hat ein erstes Opfer von uns gefordert! Andrea wird nun vermehrt „unten ohne“ schwimmen müssen, aber wenn ihr irgendwann aus stürmischer See einen Dreizack aus dem Wasser ragen seht, dem ein finsterer Geselle mit Algen an den Ohren folgt, dann seid sicher, er trägt ein rotes Bikinihöschen.
An der Tankstelle steht, nein, besser rotiert eine Schlange. Mindestens acht Segeljachten versuchen in der engen Hafeneinfahrt ihre Position zu halten, ohne zu kollidieren. Das wird mit einem Katamamonster insbesondere dann schwierig, wenn eine desorientierte Chartercrew mal erst bis zum Kopf der Schlange meint vorpreschen zu müssen. Das mag der Skipper nicht. Und auch sie müssen lernen: der Anschiss lauert überall!
Nach dem Tanken geht´s zum Liegeplatz und wir legen ein sauberes, unaufgeregtes Anlegemanöver hin. Um uns herum ist noch viel Platz, den unsere russischen Freunde auch ausnutzen. Gern steht man beim Anlegen trotz 4-köpfiger Landhilfe mal quer in der Box. Aber dafür räkeln sich dabei auch die früher schon auffällig gewordenen Mädels in der Sonne auf dem Deck. Ach waren unsere Frauen doch klasse! Die haben nicht nur in der Pantry gewirbelt, sind Ruder gegangen, haben gesungen und telefoniert, sondern auch einfach angepackt!
Die Rückgabe der „Infinity“ ist unspektakulär in wenigen Minuten erledigt.
Holly outet sich am letzten Tag der Reise, auf der er sich seemännisch eher zurück gehalten hat, als Mitglied der Deutschen Marine!!!??
Lecker Duschen, Shoppingrunde um den Hafen, und dann Resteessen. Wir erklimmen an diesem Abend den Gipfel von meat loaf und müssen einfach konstatieren, dass wir ziemlich punktgenau eingekauft haben. Nur beim Verbrauch von Gin und Raki haben wir etwas geschwächelt, vielleicht ja wegen der gelben Flagge?!
Letzte Nacht an Bord, die Krankentruppe würde gern mal etwas schlafen, die Nachbarn nicht.
3.10.
Die schwatzen und grölen und pinkeln in unregelmäßigen Abständen zwischen (hoffe ich) unsere Boote. Gegen 2 ist meine eigentlich unendliche Geduld am Ende.
Ich lege mein ganzes Volumen in zwei freundliche, aber bestimmte Sätze.
Ich verstehe kein Russisch, aber sie verstehen mich.
2 Minuten später ist Ruhe.
Nur gelegentlich werde ich noch von plätschernden Geräuschen wach. Zwischen!, hoffe ich.
Frühes Frühstück. Holly´s Ohren sind nicht besser geworden, an Fliegen nicht zu denken.
Und so verteilen wir uns auf unsere Rückreiserouten:
Jürgen, war ein super Erster. Navispezi. Immer die Ruhe weg. Er verlässt uns in Richtung Griechenland und Italien und wird voraussichtlich 21/2 Tage später bei seiner Frau sein.
Holly, best Singer on bord. Schlappste Ohren an Bord (Gute Besserung!). Ihn setzen wir mit
Janine, die dafür sorgte, dass immer alles da war, was man trinken oder essen wollte und jederzeit in Pantry und an Deck anpackte, am Busbahnhof ab. 14 Stunden werden sie ca. benötigen, um Istanbul zu erreichen.
In Dalaman werden aus dem Bus geworfen und müssen allein nach Düsseldorf fliegen:
Michael, erster Mann an den Frühstückseiern, bei jedem Ausflug dabei, Herr der Gummiente,
Kirsten, eigentlich angetreten mit dem Motto „komm, isch mach disch gesund!“ infiziert dann aber lieber den lieben
Peter (er hat sein Bestes gegeben. Mehr darf man von dem nicht erwarten).
Marita, Knoten, Küche, Segel setzen, immer dabei. Klaut nur gelegentlich Gummienten, und
Jörg, der Unterirdische genannt, wirkt im Verborgenen, hat letztlich Gas, Scheiße, Licht und Seile in der Schraube fest im Griff. Ohne ihn wären wir erstunken und nur noch im Kreis gefahren. Sie fliegen von Dalaman nach Istanbul und später weiter in die Hauptstadt, die inzwischen schwarz-gelb geworden ist.
Michele, hat immer den Draht zur großen Welt gehalten. Gibt es eigentlich schon Gallionsfiguren mit Handy am Ohr? Sie hat in Istanbul ihr vorläufiges Ziel erreicht. Ob danach Laos, China oder Japan anstehen wird sich zeigen. Auch
Andrea und Bernd fliegen nur bis Istanbul, haben alles super organisiert. Immer ein sicheres Gefühl an Bord, köstliches Essen, frischeste Milch, immer hilfsbereit. Vielen Dank noch mal!!
Wie sagten schon die Teletubbies: „Nochmal! Nochmal!“
Ich freu mich auf euch 2011! … und das sag ich, inzwischen wieder ohne Fieber.
Aber wer weiß? Verstehe ich Deutsch?
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